Bestimmt ist mittlerweile einigen die Methode des Flipped Classroom geläufig, oder man hat zumindest schonmal davon gehört. Aber um den den Flipped Classroom richtig zu verstehen und Missverständnisse zu vermeiden, muss man ein bißchen ausholen und sich erstmal darüber Gedanken machen, wie klassischer Unterricht ablaufen kann.

 

TRADITIONELLER UNTERRICHT

Dieses Bild stellt stark überspitzt dar, wie Unterricht traditionell oft aussieht.

 

Die Grafik zeigt den lehrerzentrierten Frontalunterricht und ist – zugegebenermaßen – ein bißchen überspitzt. In dieser Unterrichtsform erklärt der Lehrer ein Thema oder erarbeitet es „Fragen entwickelnd“ gemeinsam mit seinen Schülern. Aus Zeitgründen wird ein Großteil der Übungen aus dem Unterricht ausgelagert, meistens in Form der Hausaufgaben. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht negativ über diese Form des Unterrichts urteilen, im Gegenteil. Wir wollen viel mehr tatsächlich eine Lanze brechen für eine Art zu Unterrichten, die zu Unrecht häufig kritisiert und in manchen Ausbildungsseminaren jungen Lehrkräften als die Wurzel allen Übels vermittelt wird. Denn gut geplant und mit den richtigen Fragen verbunden, ist diese Methode nach wie vor sehr effektiv, eignet sich für einige Themen deutlich besser als eine Selbsterarbeitung durch Schüler und die Akzeptanz in der Schülerschaft ist nach wie vor generell sehr hoch. Dennoch gibt es aus unserer Sicht einige Schwächen:

 

    1. Nicht individuell

      Wenn wir ehrlich zu uns sind, unterrichten wir in dieser Form häufig nur für 1/3 der Schüler. Eines der anderen beiden Drittel benötigt gar keine ausführlich Erklärung durch die Lehrkraft und das andere ist mit der Geschwindigkeit der Erklärung und der Menge des dabei vermittelten Stoffes überfordert. Eine erneute Erklärung in aller Ruhe, würde daher gerade diesem letzten Drittel helfen.

    2. Nicht genug Zeit im Unterricht

      Durch die oben beschriebenen Probleme dauern die Erklär- und Erarbeitungsphasen im Unterricht oft länger als geplant. Häufig erreicht man daher im Unterricht nur noch sehr einfache Einstiegsaufgaben und muss die Aufgaben des mittleren oder gar gehobenen Niveaus den Schülern als Hausaufgabe überlassen.

    3. Zu schwierige Hausaufgaben

      Viele Schüler haben Probleme ihre Hausaufgaben, gerade wenn diese neu erarbeitete Themen betreffen, zufriedenstellend zu bewältigen. Die dabei entstehenden Probleme muss man in der nächsten Unterrichtsstunde auffangen, wodurch allein durch die Hausaufgabenbesprechung, wieder viel Zeit in Anspruch genommen wird und man erneut nur einem kleinen Teil der Schüler der Klasse gerecht werden kann. Überspitz könnte man sagen, man gerät schnell in eine Art Teufelskreis.

 

Bei den eben beschriebenen Problemen kann man durch die Methode des Flipped Classroom eine Verbesserung bewirken. Wenn man sich etwas aus dem Fenster lehnt, könnte man daher Flipped Classroom auch als eine Art Frontalunterricht 2.0 bezeichnen.

 

FLIPPED CLASSROOM

Beim Konzept des „Flipped Classroom“ wird die Input- und die Übungsphase umgedreht.

Der Schüler eignet sich außerhalb des Unterrichts (zu Hause oder in freien Lernphasen in der Schule) in seinem eigenen Tempo die theoretischen und praktischen Grundlagen eines neuen Themas an, indem er ein von uns erstelltes Erklärvideos bearbeitet. Bearbeiten heißt in diesem Fall die Videos anzusehen, die darin gestellten kleinen Arbeitsaufträge zu erledigen, als Endprodukt einen Heftaufschrieb anzufertigen und ein zum Video passendes Quiz zu lösen. Anschließend wird im Unterricht mit verschiedenen Methoden und Aufgabenstellungen differenziert geübt, das Gelernte vertieft und weiterführende Zusammenhänge erarbeitet.

 

Die drei oben beschriebenen Schwächen können dadurch behoben werden:

  1. Individuell

    Wie jeder andere Mensch auch, können Schüler nicht rund um die Uhr aufmerksam sein. Bei einem Schultag von 7:45 Uhr bis 17:30 Uhr muss manches zwangsläufig unter den Tisch fallen. Schüler wünschen sich daher manchmal einen Lehrer, den sie zurückspulen oder wenn es zu viel wird, auch mal anhalten könnten. Ein Erklärvideo kann sich jeder Schüler im eigenen Tempo, mit Pausen und falls nötig auch mehrmals hintereinander ansehen.

  2. Mehr Zeit im Unterricht

    Dadurch, dass die Schüler den Input und den Heftaufschrieb schon daheim erledigt haben, hat man im Unterricht mehr Zeit. Man kann somit die schwierigen Aufgaben und Problemstellungen im Unterricht bearbeiten. Zudem hat man ausreichend Zeit, die Schüler an geeigneten Stelle eigenständig und differenziert an Problemstellungen arbeiten zu lassen. Und nicht zuletzt hat man als Lehrer mehr Zeit für individuelles Feedback.

  3. Einfache Hausaufgabe

    Die Schüler haben kaum noch Probleme bei der Erledigung der Hausaufgaben. Die Erklärvideos vermitteln ein neues Thema kompakt, verständlich und auf ein Grundlagenniveau angepasst. Die Verständnis der Regeln, die Bearbeitung der Übungsaufgaben und das Erstellen des zugehörigen Herftaufschriebs stellt somit kein Problem dar.

 

Also:

  • Schau dir ein Erklärvideo zu einem Thema an.

  • Übe danach das Thema mit passenden Aufgaben.

  • Frage bei Problemen einen Experten.

Das ist in Kurzform die Methode des FLIPPED CLASSROOM.

 

In der Gesamtübersicht sieht man deutlich, dass für die Methode im Unterricht keine digitale Medien notwendig sind. Das digitale Medien kommt in der Hausaufgabe zum Einsatz.

 

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